Reisen
Ich bin von "Hans Fallada" zu "Ernst Jünger" gesprungen, von "Ricarda Huch" zu "Leonhard Frank". So habe ich mich letztendlich entschieden, eigene „Reisen“, acht an der Zahl, durch die Literatur der Weimarer Republik zu unternehmen, sodass dieses Buch auch seinen Untertitel gefunden hatte. (Jörg Mielczarek)

zu den Reisen:
1. Reise | 2. Reise | 3. Reise | 4. Reise | 5. Reise | 6. Reise | 7. Reise | 8. Reise

8. Reise

Ernst Wiechert >>> Joseph Roth >>> Egon Erwin Kisch >>>
Oskar Maria Graf >>> Robert Musil >>>
Jakob Wassermann >>> Heinrich Mann >>> Thomas Mann

Der Erste Weltkrieg ist ein einschneidendes Erlebnis für viele Schriftsteller. An ihrer Haltung zum Krieg lässt sich auch die Haltung des Volkes widerspiegeln: Nur wenige sind Pazifisten oder stehen dem Krieg neutral distanziert gegenüber, viele von ihnen sind von einer nationalen Euphorie erfasst, die sich erst spät in Ernüchterung wandelt.

Der Krieg wird verloren, die Novemberrevolution 1918 in Deutschland, die Abdankung Wilhelms II. sowie die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann lassen die alte Ordnung zerbrechen. Diesen Zerfall empfinden viele Österreicher bereits mit dem Tod ihres Kaisers im Jahr 1916.

Etwas Neues entsteht, und in der Weimarer Republik entfaltet sich ein reges geistiges und kulturelles Leben. Doch Weimar, politisch zerrissen und vor riesige wirtschaftliche Probleme gestellt, zerfällt bereits nach kurzer Zeit. Ende der 20er Jahre kündigt sich der erneute Zerfall in Gestalt des Nationalsozialismus an. Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

An diesem Tag verlässt Joseph Roth Deutschland. In einem Brief an Stefan Zweig schreibt er: „Inzwischen wird es Ihnen klar sein, daß wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische und materielle Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“

Wie Roth treibt es viele Autoren ins Exil, einige Schriftsteller verbleiben in Deutschland in der inneren Emigration. Ihre Bücher werden verbrannt. Das ist ein Grund dafür, dass viele bedeutende Autoren und ihre Werke heutzutage in Vergessenheit geraten sind. Leonhard Franks autobiografischer Held Michael sagt es in Links wo das Herz ist: „Im Land seiner Sprache waren Michaels Bücher verboten und verbrannt. Die deutschen Leser kannten nichts von ihm. Über Michael hatte Hitler gesiegt.“

Viele Schriftsteller befassen sich mit dem Zerfall der alten Ordnung nach Ende des Ersten Weltkriegs, viele sehen bereits den Zerfall der neuen voraus. In dieser achten und letzten Reise durch die Literatur der Weimarer Republik wenden wir uns Werken zu, die sich mit dem Zerfall gesellschaftlicher und sozialer Ordnung auseinandersetzen.