Reisen
Ich bin von "Hans Fallada" zu "Ernst Jünger" gesprungen, von "Ricarda Huch" zu "Leonhard Frank". So habe ich mich letztendlich entschieden, eigene „Reisen“, acht an der Zahl, durch die Literatur der Weimarer Republik zu unternehmen, sodass dieses Buch auch seinen Untertitel gefunden hatte. (Jörg Mielczarek)

zu den Reisen:
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7. Reise

Edlef Köppen >>> Ludwig Renn >>> Erich Maria Remarque >>>
Ernst Jünger >>> Arnold Zweig

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, sind die Deutschen im Nationalstolz geeint. Selbst die Sozialdemokraten bewilligen am 4. August 1914 im Reichstag die Aufnahme der Kriegskredite. Jahre später ist die Euphorie verflogen: Der Stellungskrieg im Westen fordert unnötig Millionen von Menschenleben, die Versorgungslage in der Heimat verschlechtert sich dramatisch. Im Juli 1917 brechen im Deutschen Reich erste Streiks aus. Die Novemberrevolution beendet 1918 die Monarchie, am 9. November 1918 ruft Philipp Scheidemann die Republik aus, Kaiser Wilhelm II. verlässt Deutschland ins holländische Exil.

So weit in wenigen Sätzen die Geschichte. Was in Schul- und Geschichtsbüchern aber oft vernachlässigt wurde und wird, ist die Beschreibung der Lage des einfachen Soldaten an der Front. Erstmals nach dem 1. Weltkrieg entdeckt die noch in den Kinderschuhen steckende Psychologie Traumata bei den Männern, die an vorderer Front gekämpft hatten: Eingepfercht in Schützengräben, die ständige Angst vor dem Tod, vor allen Dingen das elende Sterben von Kameraden mit ansehen zu müssen erschütterte viele. Gut, dass einige Autoren diesen Menschen ihre Stimme gaben und in ihren Büchern die Kriegserlebnisse schildern. Sicher sind einige Bücher aber auch nur entstanden, um eigene Kriegserlebnisse verarbeiten zu können.

„Es ist merkwürdig genug: nach neun Jahren stößt der Krieg den Deutschen sauer auf“, schreibt Kurt Tucholsky 1927 in der Weltbühne über Arnold Zweigs Streit um den Sergeanten Grischa. Zweigs Buch machte den Anfang; in den Folgejahren sollten weitere Kriegs- bzw. Antikriegsromane erscheinen.

In dieser 7. Reise durch die Literatur der Weimarer Republik spüren wir Büchern nach, die sich mit den Erlebnissen des einfachen Soldaten im 1. Weltkrieg literarisch auseinandersetzen.