Reisen
Ich bin von "Hans Fallada" zu "Ernst Jünger" gesprungen, von "Ricarda Huch" zu "Leonhard Frank". So habe ich mich letztendlich entschieden, eigene „Reisen“, acht an der Zahl, durch die Literatur der Weimarer Republik zu unternehmen, sodass dieses Buch auch seinen Untertitel gefunden hatte. (Jörg Mielczarek)

zu den Reisen:
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6. Reise

Ödön von Horváth >>> Hugo von Hofmannsthal >>>
Lion Feuchtwanger >>> Leonhard Frank >>> Frank Wedekind >>> Bertolt Brecht

Obwohl politisch und gesellschaftlich zerrissen und zwischen den starken linken und rechten politischen Kräften innerlich zerrieben, entfaltete sich in der Weimarer Republik ein reiches geistiges und kulturelles Leben. Das Theater boomte und erreichte gar eine Blütezeit trotz der Mitte der 1920er Jahre aufkommenden Konkurrenz des Films: Ungefähr 150 Bühnen, davon knapp über 30 in Berlin, existierten in Deutschland. Erst Anfang der 30er Jahre, mit Einführung des Tonfilms fand der Theaterboom ein jähes Ende.

Dem Publikum wurde eine ungeheure Vielfalt geboten. Während der Expressionismus mit der alten wilhelminischen Ordnung abrechnete, wurden seine Vertreter Mitte der zwanziger Jahre abgelöst durch neusachliche Autoren, zu denen später auch Bertolt Brecht gehört. Mit seinen Lehrstücken versucht er das Theater zu revolutionieren (episches Theater).

Eine weitere neue Gattung entsteht, das Zeitstück, das eine überblicksartige Darstellung der politisch-gesellschaftlichen Gegenwart geben möchte (einer seiner wichtigsten Vertreter ist Ernst Toller). Daneben tritt noch das Volksstück, von Zuckmayer eher konventionell fortgesetzt, von Ödön von Horváth und Marieluise Fleißer dann weitgehend erneuert.

Eine spannende Zeit, auch auf der Bühne, die ich vor allen Dingen in Max Reinhardt personifiziert sehe. Auf ihn, den Theater- und Stummfilmregisseur, Intendanten und Theatergründer, bin ich bei meinen Hintergrundrecherchen für dieses Buch häufiger gestoßen. 1873 in der Nähe von Wien geboren, arbeitete er von 1902 an bis zum Beginn der nationalsozialistischen Diktatur als Regisseur an verschiedenen Bühnen und gründete selbst Theater sowie 1905 die Schauspielschule Berlin. Als Intendant fungierte er unter anderem am Theater am Schiffbauerdamm, am Deutschen Theater in Berlin sowie am Theater in der Josefstadt in Wien, und war Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Wann hat dieser Mann geschlafen? Seine Wirkung auf das deutsche Theater war groß, seinen kraftvollen Inszenierungen brachte man auch international große Aufmerksamkeit entgegen.

Wie bereits gesagt, es war eine spannende Zeit, die ich Ihnen mit meiner nächsten, der 6. Reise durch die Literatur der Weimarer Republik, Schauspielen vorbehalten, näher bringen möchte.