Reisen
Ich bin von "Hans Fallada" zu "Ernst Jünger" gesprungen, von "Ricarda Huch" zu "Leonhard Frank". So habe ich mich letztendlich entschieden, eigene „Reisen“, acht an der Zahl, durch die Literatur der Weimarer Republik zu unternehmen, sodass dieses Buch auch seinen Untertitel gefunden hatte. (Jörg Mielczarek)

zu den Reisen:
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4. Reise

Werner Bergengruen >>> Arthur Schnitzler >>> Stefan Zweig >>>
Robert Walser >>> Emil Strauß >>> Franz Werfel >>> Franz Kafka

Das Ende des 1. Weltkriegs, die Abdankung des Kaisers, die Novemberrevolution sowie die Schaffung der ersten Demokratie auf deutschem Boden wurden auch von vielen Schriftstellern als Aufbruch verstanden. Der Roman, zu Zeiten des Expressionismus wenig präsent, stieg zur wichtigsten Literaturgattung auf. In ihm gelang es am ehesten, eine vielschichtige Wirklichkeit einzufangen, Zeit- und Gesellschaftsanalyse zu betreiben und eine objektive Darstellung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse aufzuzeigen. Die Wirklichkeit sollte nun so beschrieben werden, wie sie den Tatsachen nach ist.

Die kleine, konzentrierte Form, Erzählungen, Kurzgeschichten und Novellen, trat in den Hintergrund. Lediglich im Bereich eines streng geschlossenen Weltbildes wie der religiösen Literatur war sie noch verstärkt zu finden ( Werner Bergengruen und Gertrud von le Fort), trat aber auch bei Autoren auf, die, nach der Beschäftigung mit der Lehre Sigmund Freuds, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die psychischen Vorgänge ihrer Figuren lenkten ( Stefan Zweig, Arthur Schnitzler).

Ich habe die strenge, geschlossene Form der Novelle immer gemocht, die überlegene Sichtweise des Erzählers, das Auslassen abschweifender Episoden, die Konzentration auf ein Ereignis, das Menschen aus ihren scheinbar geordneten Lebensverhältnissen in ein Chaos fallen lässt. Gerade die konsequente Darstellung eines zentralen Themas, die eine enorme erzählerische Dichte aufweist, hat mich stets fasziniert.

Und so sind mir auch die Erzählungen und Novellen, die ich Ihnen auf dieser, meiner 4. Reise durch die Literatur der Weimarer Republik vorstellen möchte, genauso ans Herz gewachsen wie die in der Schule besprochenen Werke Heinrich von Kleists, Joseph von Eichendorffs, Gottfried Kellers und E. T. A. Hoffmanns, um nur einige Meister der kleinen Form zu nennen.