Klaus Mann (1906 – 1949) (2. Reise)

Der fromme Tanz (Roman, 1925)

Das Abenteuerbuch einer Jugend (so der Untertitel des Romans), seiner Verlobten Pamela Wedekind, der älteren Tochter des Dramatikers Frank Wedekind, gewidmet, erschien 1925. In einer Zeit, in der Homosexualität unter Strafe stand, bekannte sich Klaus Mann offen zu seinem Schwulsein. Von den Kritikern als geschmacklose sexuelle Ausschweifung verurteilt, kam das Buch beim Publikum dennoch gut an, was viele nur auf den Umstand zurückführten, dass es sich bei Klaus Mann um den ältesten Sohn des Schriftstellers Thomas Mann handelte.

Der 18-jährige Andreas, aus großbürgerlichen Verhältnissen stammend, verlässt sein Elternhaus, um in der Metropole Berlin das Großstadtleben zu entdecken. „Wie groß war Berlin bei Tag. Andreas bekam ja nichts zu Gesichte, von dem was hier geschafft, von dem, was hier gelebt und gelitten wurde. Aber er ahnte es in der Luft, er atmete es ein, und es machte sein Herz zittern.“ Er lernt die skurrilsten Menschen kennen, arbeitet als Sänger und Tänzer und lernt während eines Landausflugs seine Liebe Niels kennen. Niels folgt ihm nach Berlin, verlässt aber schon bald wieder die Stadt. Über Hamburg und Köln folgt Andreas Niels Spuren bis nach Paris. Seine Liebe findet keine Erfüllung.

Der Roman trägt autobiografische Züge (Klaus Mann lebte 1924 in Berlin und reiste ein Jahr später nach Paris) und ist sehr empfindsam geschrieben. „Zwischen all diesen ging Andreas, horchend, schauend, ganz voll Demut und gewandt auf eine gewisse sonderbar traumwandlerische Art.“

Im gleichen empfindsamen Ton spricht Klaus Mann über seine Homosexualität: „Andreas gab sich dieser Liebe ganz hin, die er nicht als Verirrung empfand. Ihm kam es nicht in den Sinn, sie vor sich zu leugnen, sie zu bekämpfen als Entartung oder als Krankheit. Diese Worte berührten die Wahrheit so wenig, sie kamen aus einer anderen Welt. Gut hieß er die Liebe vielmehr ganz und gar, er lobte sie, wie alles, was Gott gab und verhängte – sei es noch so leicht oder schwierig zu tragen.“

Es ist beeindruckend, solche Worte von einem 19-Jährigen zu vernehmen. Ebenso beeindruckend ist es, seiner Biografie zu entnehmen, im Alter von 15 Jahren jeden Tag ein Buch gelesen zu haben. Ein tolles Stück Literatur, gerade auch durch die die sensible, respektvolle Beschreibung der im Roman vorkommenden Personen! Der fromme Tanz liegt bei rororo als Taschenbuch vor (ISBN 978-3499236877, 8,95 Euro).

Jörg Mielczarek:
Von Untertanen, Zauberbergen, Menschen ohne Eigenschaften
Meine Reisen durch die Literatur der Weimarer Republik

Buch bestellen