Erich Kästner (1899 – 1974) (2. Reise)

Emil und die Detektive (Roman, 1929)

Wie liebe ich dieses Buch! In meiner Kindheit habe ich es mehrmals regelrecht verschlungen, mein Onkel Helmut, der mir seine Kinderbücher schenkte, hat mir mit Emil und die Detektive einen wahren Schatz übergeben.

Emil Tischbein soll seine Schulferien bei seiner Großmutter in Berlin verbringen. Während der Eisenbahnfahrt von seinem Wohnort Neustadt in die Großstadt schläft er ein. Emil werden die 140 Mark gestohlen, die seine Mutter ihm als Unterstützung für die Großmutter mit auf die Reise gab. Emil verdächtigt einen Mann mit Hut, der Dieb zu sein, war dieser doch mit Emil vor dessen Einschlafen allein im Abteil. Aufgeregt beginnt Emil ab dem Bahnhof Zoologischer Garten die Verfolgung des Mannes.

Während sich die Erwachsenen nicht für Emil und seine Sorgen interessieren, findet er Hilfe bei einigen Berliner Jungen. Begeistert organisieren sie eine Verbrecherjagd. Mit telefonischem Nachrichtendienst sowie Beobachtergruppen (selbst die Verpflegung der „Detektive“ wird organisiert) sorgen sie dafür, dass der Gauner, der in einem Hotel übernachtet, keinen Moment unbeobachtet bleibt. Am nächsten Tag gelingt es den „Detektiven“ tatsächlich, den Mann zu stellen, und der Polizei zu übergeben.

Auf dem Revier erhält Emil sein Geld zurück und wird von Reportern interviewt, unter denen sich auch ein Herr Kästner befindet. So weiß der Leser, woher der Autor Emils Geschichte kennt, die ja wahr sein soll, wie Kästner in der Einleitung betont.

Endlich kann Emil zu seiner Tante und Großmutter gehen, die in großer Sorge um ihn sind, auch wenn sie von Emils Cousine Pony Hütchen getröstet wurde, einer kessen Berliner Göre, die die Jagd der Jungen begeistert unterstützt hatte.

Ein Wachtmeister überbringt die Nachricht, dass der Eisenbahndieb ein lang gesuchter Bankräuber sei. Emil erhält zur Belohnung 1.000 Mark, die für die Ergreifung des Täters ausgesetzt waren. Mit Hilfe des Geldes kann nun auch Emils Mutter, die nach dem Tod des Vaters mühevoll versucht, den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn zu bestreiten, nach Berlin kommen.

Schön, dass der Dressler Verlag das Buch nach wie vor mit dem Originalumschlag von Walter Trier herausbringt (mittlerweile in 152. Auflage!). Ebenfalls schön, dass die Deutsche Post dieses Motiv für eine Sondermarke zum 100. Geburtstags Kästners nutzte.

Jörg Mielczarek:
Von Untertanen, Zauberbergen, Menschen ohne Eigenschaften
Meine Reisen durch die Literatur der Weimarer Republik

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