Bruno Frank (1887 – 1945) (1. Reise)

Trenck Roman eines Günstlings (Roman, 1926)

Zählt Bruno Frank, nicht verwandt mit Leonhard Frank, zu Lebzeiten unter anderem befreundet mit Thomas Mann, Klaus Mann und Lion Feuchtwanger, bereits zu den vergessenen Autoren, wie es in der Zeit nachzulesen war? Leider spricht vieles für diese Aussage, die meisten seiner Werke sind nur noch über Antiquariate erhältlich. So auch Trenck Roman eines Günstlings.

Der Roman zeichnet das Leben des preußischen Barons Friedrich von der Trenck (1726 – 1794) nach, der mit 17 Jahren als Kadett in die Leib-Eskadron des preußischen Königs eintritt. Friedrich II. macht den ehrgeizigen Jüngling zu seinem Adjudanten: „Ich will Ihr Leben für mich haben.“ Trenck, hoch geehrt – „Gottesdienst haltend vor seiner Zukunft“ – sieht in Friedrich den „vielleicht ersten wahrhaft gerechten Monarchen in aller Geschichte.“ In Wirklichkeit ordnet der König alles seinen Machtbestrebungen unter: Er möchte zu dem Königstitel, den sich seine Vorgänger formal zugelegt haben „den Inhalt erkämpfen“. So betreibt er die Heirat seiner Schwester Amelie mit dem schwedischen Kronprinzen. Amelie, die sich in Trenck verliebt hat (wie er sich in sie), lehnt unter religiösen Vorwänden ab. So verheiratet Friedrich die ältere Schwester Ulrike nach Schweden. Auf der Hochzeitsfeier befiehlt der König Amelie, „ewige Reinheit“ im Kloster zu geloben. Obwohl sie sich nach außen hin ihrem Bruder fügen muss, kommt es fortan zu heimlichen Zusammenkünften der Liebenden. Während des 2. Schlesischen Krieges steht Trenck seinem Vetter, dem österreichischen Pandurenoberst Franz von der Trenck, gegenüber. Die Verwandtschaft mit dem zu Recht als beschriebenen „Mordbrenner“, der Trenck als seinen Alleinerben eingesetzt hat und ihn für die andere Seite abwerben möchte, bringt ihn beim Preußenkönig in Ungnade. Als gar nach der Schlacht bei Hohenfriedberg die Liebesbriefe Amelies an Trenck abgefangen werden, wird dieser als Staatsgefangener in die Festung Glatz gebracht. Erst nach elfmonatiger Haft gelingt ihm nach mehrmals gescheiterten Versuchen die Flucht.

Über Wien zieht es Trenck an den russischen Zarenhof, den er, fälschlicherweise als Münzfälscher denunziert, wieder verlassen muss. Zurück in Österreich, wo er nach dem Selbstmord seines Vetters dessen Erbe antreten möchte, sieht er sich der Macht der österreichischen Bürokratie gegenüber, die verhindern will, die riesigen Landgüter des Pandurenobersts in Trencks Hände fallen zu lassen. Friedrich II., noch stets danach trachtend, seinen ehemaligen Adjutanten zu beseitigen, wird Trencks mit Hilfe der Österreicher habhaft, und lässt ihn in Magdeburg einkerkern. Erst neun Jahre später erfährt dies Amelie, deren Leben durch den Bruder zerstört ist, und lässt ihren Geliebten befreien. Preußischen Boden kann er aber erst wieder nach dem Tode Friedrichs im Jahre 1786 betreten. Als alter Mann besucht er die körperlich und geistig hinfällig gewordenen Amelie.

Zum Schluss des Romans teilt der preußische Minister von Alvensleben in einem Bericht an den Hof mit, dass Trenck 1794 in den Wirren der französischen Revolution in Paris guillotiniert worden sei.

Trenck habe ich mehrmals gelesen, beim ersten Mal, fasziniert von der zu Beginn des Jahres 1973 im ZDF ausgestrahlten sechsteiligen Fernsehserie, war ich zu jung, um die Schlichtheit der Darstellung zu würdigen. Erst Jahre später hat sich mir die Sprache Bruno Franks erschlossen, die Reduktion, dieses direkte auf den Punkt kommen. „Äußerste Klarheit, das scheint mir von allem das Schönste. Ein Minimum an Wortaufwand – das Komplizierteste in schlichten Worten sagen“, so Bruno Frank zu Klaus Mann in einem Gespräch, das beide in Franks Haus am Starnberger See im Jahr 1926, dem Jahr des Erscheinens des Trenck, miteinander führten (nachzulesen im Nachwort des Romans).

So ist nur zu hoffen, dass die im April 2009 erschienene Biographie „Der Bürger als Künstler: Bruno Frank“ (Grupello Verlag, ISBN 978-3899780956, 36 Euro) ein Schritt dazu ist, die Werke Bruno Franks wieder aufzulegen. Es gilt, einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wiederzuentdecken.

Jörg Mielczarek:
Von Untertanen, Zauberbergen, Menschen ohne Eigenschaften
Meine Reisen durch die Literatur der Weimarer Republik

Buch bestellen